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Rettet die Waldtalstraße!

Hinweis: Passagen, die die persönliche Meinung, Interpretationen oder Vermutungen des Betreibers dieser Webseite (Dr. Martin Güngerich und das Leitungsteam der Laufschule Marburg) widerspiegeln, sind kursiv dargestellt.

Die Waldtalstraße – Verlauf und bisherige Bedeutung für den Verkehr

Die Waldtalstraße mit einer Gesamtlänge von ca. 3,8 km war bis zum Sommer 2018 die einzige autofreie, vollwertige Fuß-/Radwegverbindung über die Lahnberge im Marburger Stadtgebiet. Sie verband den Ortsteil Waldtal im Norden Marburgs mit dem eingemeindeten Dorf Bauerbach (siehe Verlauf auf GPSies). Ihre komplett asphaltierte Wegdecke war bis Spätsommer 2018 trotz ihres Alters (ca. 50 Jahre) in gutem Zustand (siehe Galerie).
Das sanfte Steigungsprofil machte die Waldtalstraße besonders für den Fahrradverkehr geeignet.
Die Waldtalstraße ist einerseits im
Hessischen Radroutenplaner (betrieben vom Landes-Verkehrsministerium) als Radroute eingetragen, hat andererseits aber lediglich den rechtlichen Status eines Forstweges im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs HessenForst.

Bauarbeiten und Rückbaupläne

Weil unter der Waldtalstraße eine erneuerungsbedürftige Wasserleitung des in öffentlicher Hand befindlichen Zweckverbands Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) verläuft, musste bzw. muss der Weg auf der gesamten Länge abgetragen und neu aufgebaut werden.
Ohne die Öffentlichkeit und die Nutzergruppen der Waldtalstraße einzubeziehen, haben ZMW (als Baulastträger) und HessenForst (als Besitzer des Weges) unter Billigung durch die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Marburg beschlossen, nach Abschluss der Baumaßnahme keine neue Asphaltdecke aufzutragen. Stattdessen beabsichtigt man, lediglich eine sog. „wassergebundene“ Decke zu bauen, deren oberste Schicht aus losem Gestein (Schotter, Splitt, Sand) besteht.
Die Bauarbeiten laufen zum aktuellen Zeitpunkt noch. Dennoch ist der westliche Teil der Strecke (zwischen Waldtal und Katharinenberg) bereits wieder für den Fuß- und Radverkehr freigegeben. Die Decke dieses Teils der Route besteht nunmehr aus Splitt und stellenweise sogar grobem Schotter (siehe
Galerie). Nicht nur zum gesunden Barfußlaufen, sondern auch für die Benutzung mit Fahrrädern, Rollern, Inlineskates und Rollschuhen ist eine Splittdecke im Vergleich zu Asphalt wenig geeignet.
Die Motive hinter den Rückbauabsichten liegen allerdings auf der Hand:


Der ZMW, der für die Wiederherstellung des Weges sorgen und diese finanzieren muss, spart erhebliche Kosten ein (Schotter ist zumindest in den Baukosten billiger als Asphalt). Weil der ZMW selbst den Weg nicht regelmäßig nutzt, ist ihm die eingeschränkte Nutzbarkeit durch Fußgänger, Radfahrer etc. gleichgültig.
Zudem stellte sich heraus (siehe OP, 24.07.2018, nicht online verfügbar), dass der ZMW mit dieser -
schönfärberisch als „Entsiegelung des Bodens“ bezeichneten - Maßnahme sogenannte „Ökopunkte“ sammeln kann. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass der ZMW dafür an anderer Stelle ungestraft Böden versiegeln darf.

HessenForst meint, mit der wassergebundenen Decke einen für die Zwecke der Holzproduktion besser geeigneten und kostengünstiger zu pflegenden Weg zu schaffen. Zudem verböten die Ökostandards der Holz-Zertifizierungsorganisationen FSC und PEFC den Neubau von Asphaltdecken auf den Flächen des Forstbetriebs.

Widerstand gegen den Rückbau

Verschiedene Gruppen und Personen, die den barrierefreien Weg erhalten möchten, leisten seit Bekanntwerden der Pläne von HessenForst und ZMW im Juni 2018 Widerstand gegen den Rückbau:

Der Betreiber dieser Webseite initiierte eine Online-Petition für den Erhalt (d.h. Wiederherstellung) der Asphaltdecke. An dieser beteiligten sich bis zum 16.8.2018 ca. 200 Personen, weitere ca. 20 unterschieben eigenhändig.

Die Marburger Bürgerinitiative (BI) Verkehrswende äußerte sich im Sinne der Förderung des Fahrradverkehrs in der OP vom 07.07.2018 klar gegen den Rückbau.

Die Ortsbeiräte der anliegenden Ortsteile (Waldtal und Bauerbach) wiesen mehrfach auf die Bedeutung der Verbindung hin und fordern ihre Wiederherstellung in der gewohnten Qualität ( OP-Artikel vom 04.07.2018 und vom 13.09.2018 ).

Der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Thomas Spies, sowie die damalige Landtagsabgeordnete Handan Özgüven (beide SPD) baten die Hessische Staatsministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, als Dienstherrin von HessenForst schriftlich darum, die Rückbaupläne fallen zu lassen.

In der Marburger Stadtverordnetenversammlung vom 31.08.2018 sprachen sich alle Fraktionen außer Bündnis 90/Grüne für die Wiederherstellung der Asphaltdecke aus. Der Magistrat erhielt den Auftrag, sich beim Land Hessen nachdrücklich dafür einzusetzen (siehe Vorlage der STVV ).

Mögliche Lösung: Übernahme des Weges durch die Stadt Marburg

Der Landesbetrieb HessenForst und die zuständige Ministerin Hinz rücken bislang nicht von ihrem Grundsatz ab, dass auf dem Gebiet des Landesbetriebs keine neuen Asphaltdecken auf Wege aufgebracht werden. Als schlagendes Argument dafür werden die Standards der Zertifizierungsorganisation FSC ins Feld geführt, worin Wegdecken aus „regionalem Naturgesteinsmaterial“ bevorzugt werden.
Eine diesbezügliche Anfrage, die der Betreiber dieser Webseite im September 2018 an FSC Deutschland richtete, ergab Folgendes:


FSC legt sich nicht darauf fest, dass die Wiederaufbringung des Asphaltdecke zu einer Aberkennung des FSC-Zertifikats führen würde.

FSC empfiehlt (ohne explizit nach dieser Möglichkeit gefragt worden zu sein!), den Weg aus dem Forstbetrieb (HessenForst) auszugliedern und die Zuständigkeit auf die Gemeinde (in diesem Fall also die Stadt Marburg) übergehen zu lassen. In diesem Fall gäbe es keine Probleme bzgl. der FSC-Regeln mehr, da Letztere sich nur auf die zum jeweiligen Forstbetrieb gehörigen, nicht aber auf angrenzende Flächen beziehen.


Um die Umsetzbarkeit einer Übernahme der Waldtalstraße durch die Stadt auszuloten, stellte der Betreiber dieser Webseite Mitte Oktober 2018 eine entsprechende Anfrage an den Magistrat. Diese wurde einen Monat später durch den Bürgermeister und Baudezernenten Wieland Stötzel (CDU) beantwortet. Er hob den schweren Eingriff in die Natur, den ein Wiederaufbau unter der Hoheit der Stadt bedeute, hervor. Dabei suggerierte er, dieser ziehe künstliche Beleuchtung, Winterdienst, Abholzung von Bäumen, einen Anstieg des Verkehrs sowie eine „Zeschneidungswirkung“ in Bezug auf die Bewegung von Wildtieren nach sich.
Der Betreiber dieser Webseite fragt sich jedoch:

Wer hat eine Beleuchtung der Waldtalstraße gefordert? Selbst Wege und Straßen in der Innenstadt sind nachts nicht immer beleuchtet (Beispiel: Hainweg).

Wer hat Winterdienst gefordert? Auch in der Innenstadt gibt es Wege, auf denen darauf verzichtet wird und wo ein entsprechendes Schild („Kein Winterdienst“) angebracht ist.

Warum sollten für die Asphaltdecke Bäume fallen müssen? Die Bäume am Bückingsdamm stehen wesentlich näher am Weg als dies an der Waldtalstraße der Fall ist, dennoch war die Erneuerung der Asphaltdecke des Weges auf dem Bückingsdamm vor wenigen Jahren nicht mit nennenswerten Abholzungen verbunden.

Warum sollte der Verkehr auf einer neu asphaltierten Waldtalstraße so viel intensiver ausfallen als er es auf der alten – ebenfalls bis zuletzt in gutem Zustand befindlichen – Asphaltdecke tat?

Warum sollte ein Schotterweg Wildtiere stärker vom Überqueren abhalten als dies ein gleich breiter Asphaltweg tut?

Eine erneute Anfrage an Herrn Bürgermeister Stötzel vom 23.06.2019 nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen Magistrat und Land Hessen wartet noch auf eine Antwort.

Fortsetzung folgt!

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